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Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika |
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In einer berüchtigten Indianerkneipe Wir hielten Kriegsrat. Plötzlich erbot sich der Fahrer, uns zu einer Herberge zu führen. "Gar nicht weit, Senores!" Und der Wagen mit dem Gepäck? Der kann hierbleiben, gewiß! Hier findet ihn keiner. "Glauben Sie mir, Senores!" Unser Mißtrauen wuchs. Irgendwo schien eine Falle zu lauern. Also schnell Beschluß gefaßt: Onkel Tom blieb mit dem Fahrer beim Wagen. Fernandez und ich sollten losgehen und noch vor Einbruch der Nacht eine Siedlung erreichen, um Benzin zu beschaffen. Wir zwei marschierten los. Stunden vergingen, ohne daß wir einen Menschen trafen. Ab und zu führte ein Fußpfad vom Hauptwege ab. Ob wir in ihn einbiegen sollten? Auf Fernandez' Karte war keiner verzeichnet. Der Wald lichtete sich. Aber die Schatten wurden immer länger. Plötzlich brach die Nacht herein. Es wurde stockdunkel. Wir liefen weiter. Irgendwo vor uns schlugen Hunde an. Das Gebell wurde immer wütender, je näher wir kamen. Ein Lichtschein! - Wir atmeten auf. Rauher Gesang und Stimmengewirr. Irgendwo in der Nähe bellten die Hunde. Als wir in die Tür traten, saßen wilde, verwegene Gestalten um einen großen Topf, aus dem es scharf säuerlich roch. Unter den großen, hohen Sombreros waren die Gesichter kaum zu erkennen. "Buenos noches, Senores!" Sie blickten auf, erwiderten den Gruß. Wüste, betrunkene Gesichter. Lamatreiber vermutlich. Der große Topf war noch halb gefüllt. |
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Sie tranken Chicha, das Nationalgetränk, das hier aus Mais gebraut wird und abscheulich schmeckt. Aus einem Nebengemach kam eine dicke, schmuddelige Indianerin, barfuß und mit langen schwarzen Zöpfen. "Können wir hier übernachten?" "Si, si, Senores!" Die Alte deutete auf zwei freie Plätze auf einer Bank dicht an der Tür. Die übrigen Gäste musterten uns und stießen sich gegenseitig an. Viel Gutes mochten sie mit dem Gringo und seinem vornehmen Begleiter nicht im Sinne haben. Das Gelage ging weiter. Wir saßen und warteten. Mir fielen die Augen zu. Sollten wir mit diesen Caballeros zusammen übernachten? |
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In dem Raum gab es außer den Bänken nur den gestampften Lehmfußboden. Der Alkohol begann zu wirken. Es war ein wilder Lärm in dem dunstigen Raum. Da - drei der Männer steckten die Köpfe zusammen, deuteten auf uns und verschwanden im Nebenraum. Was hatten sie vor? Mir schlug das Herz bis zum Halse! Da gab mir Fernandez auch schon einen Wink. Wir drückten uns aus der Tür und liefen die nachtdunkle Straße entlang. Die Hunde schlugen an. Aber niemand schien uns zu folgen. - "Wir müssen weiter!" flüsterte Fernandez. "Die Kerle sind mir nicht geheuer!" Die Nacht war lau. Der Wind rauschte leise in den Bäumen. Gegen Osten wetterleuchteten brasilianische Tropengewitter. Ich will kurz zu Ende erzählen. Wir kamen noch in ein kleines! Dorf und klopften todmüde den Bürgermeister heraus. |
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